Alzheimer Gesellschaft Hessen

Umgang mit Menschen mit Demenz

Für Angehörige ist es meist sehr schwer, sich auf die Demenz eines nahen Menschen einzustellen. Über lange Jahre haben wir ein Miteinander entwickelt; vieles läuft ohne Worte und ganz selbstverständlich ab, und wir haben ein genaues Bild vom anderen, das uns den Alltag vereinfacht. Die Demenz ändert oft vieles.

10 (Verhaltens-) Gebote für MmD (= Menschen mit Demenz)

Es gibt viele neue Anforderungen an uns im Umgang mit unseren Menschen mit Demenz. Wir haben hier die 10 für uns wichtigsten Regeln ausgewählt.

  1. Lassen Sie fünfe gerade sein!
    Von Ihnen ist jetzt hohe Flexibilität gefordert. Vieles von dem, was Sie IMMER miteinander auf diese Weise gemacht haben, geht so jetzt nicht mehr.

  2. Bleiben Sie ruhig und geduldig!
    Der Mensch mit Demenz spürt, dass seine Fähigkeiten abnehmen und ist oft unzufrieden und verzweifelt – verstärken Sie dieses Gefühl nicht durch die eigene Ungeduld.

  3. Altes wird länger erinnert als neue Informationen.
    Nehmen Sie Bezug auf die Vergangenheit, setzen Sie an alten Erlebnissen und positiven Erfahrungen an.

  4. Zeigen Sie Einfühlungsvermögen und gehen Sie auf Wünsche und Bedürfnisse ein, wenn irgend möglich.
    Das wünschen wir uns eigentlich alle, wie man auch mit uns umgehen sollte. Ein MmD braucht das Gefühl, akzeptiert zu werden, besonders dringend.

  5. Vertrauen Sie auf nonverbale Kommunikation: Blickkontakt, Mimik und Gestik und setzen Sie Körperkontakt ein!
    Gefühle werden zu einem großen Teil nonverbal transportiert. Und nonverbale Kommunikation läuft auch, wenn das Sprechen schwierig wird.

  6. Sprechen Sie Ihren MmD nicht von hinten an!
    Der MmD kann seine Aufmerksamkeit schwer umlenken und kann eine Botschaft nur schwer verstehen, wenn sie nicht (auch) nonverbal gesendet wird.

  7. Argumentieren Sie nicht, wenn Sie etwas erreichen wollen!
    Oft werden Sie nicht verstanden, sondern erzeugen nur Frust bei den MmD. MmD können oft nicht mehr abstrakt denken, geschweige denn diskutieren.

  8. Stellen Sie keine Warum-Fragen! Fragen Sie möglichst konkret (wann, was, wie), in späteren Erkrankungsstadien am besten mit Ja-Nein-Fragen.
    Auf Warum-Fragen hin müssen wir reflektieren und abwägen; dies können MmD immer schlechter.

  9. Sie können Ihren MmD fordern, um seine Fähigkeiten zu erhalten. Aber überfordern Sie ihn nicht!
    Ein MmD zweifelt und verzweifelt an seinen Fähigkeiten. Sorgen Sie für Erfolgserlebnisse, vermeiden Sie Misserfolgserlebnisse durch Überforderung.

  10. Sorgen Sie für eigenes Wohlbefinden!
    Sie sind jetzt in besonderer Weise gefordert: Planen Sie also dringend Pausen, Sozialkontakte, Urlaub ein – auch wenn Sie Ihren MmD allein lassen müssen (s. Unterstützungsangebote). Und seien Sie bitte auch geduldig und barmherzig mit sich selbst, etwa wenn Sie nicht mehr mögen oder wenn Sie die obigen Regeln nicht befolgen und aus der Haut fahren. Auch das muss mal sein. Auch für Sie gilt Regel Nr. 1!

Kontakt

Alzheimer Gesellschaft Hessen e. V.

06151 / 957 84 22
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Ermutigung

Gib nicht auf,
sagt der Freund.
Wir sind auch noch da,
sagt die Freundin.
Wir bekommen das in den Griff,
sagen beide.
Du bist nicht allein.

Wir lieben Dich,
versichern die Freunde,
die in der Ferne sind.
Das wiegt die Enttäuschung über jene auf,
die uns im Stich ließen.

Ich bewundere dich,
ermutigt die Tochter.
Wir verstehen dich,
tröstet der Schwiegersohn.

Gib nicht auf,
sagt der Freund.

Wir lieben den Opa,
betont der Enkel.
Ich liebe ihn auch, weine ich.
Er hat unsere Fürsorge verdient.

Gib nicht auf,
sagt der Freund.

(aus: Uta von Deun: Alzheimer – Der lange Weg des Abschiednehmens. Herder spektrum, Freiburg 2006).